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Through the middle of nowhere
Und wieder können wir Euch von einem einzigartigen Platz diesmal aus dem Sudan berichten, wo wir hoch erhoben auf einem Berg den Blick über das Pyramidenfeld und die Royal City von Meroe geniessen.
Sanddünen, der Nil und schwarze Lavahügel dekorieren die Ebene - es ist ein äusserst friedvolles Fleckchen auf dieser Erde und die Sonnenuntergänge kaum zu beschreiben. Sie lässt sich theatralisch in die Fluten des weissen Nils sinken und geizt dabei nicht mit ihren Reizen, damit wir ihr beim Abgang auch die gebührende Bewunderung zollen.
Am Horizont liefern sich Azur und Karmesin eine letzte Schlacht, bevor das Leichentuch der Nacht ihre lodernde Zwietracht erstickt. Tausende von Sternen durchstechen es nun und in der Ferne leuchtet still der Diamantenfluss der Milchstrasse. Doch wie wir durch den Niger, den Tschad und quer durch den Sudan hierhergelangten, wollen wir Euch nun berichten.
"Through the middle of nowhere" - so kamen wir uns vor, als wir von Niamey den Niger durchquerten und von Zinder die letzten 800 Kilometer durch Halbwüste und kleine Oasendörfer mit wunderbaren Menschen an die Grenze zum Tschad fuhren, um uns dann auf das Abenteuer '"nördliche Tschadsee-umfahrung" zu begeben - was denn hiess: Sand, Sand, Sand ...
Am nächsten Tag haben wir einen prima Stellplatz in einem Garten, unter Bäumen, bei einer netten Familie im Zentrum Bamakos gefunden. Hier erholen wir uns, geniessen den Großtadtflair, das Bier und melden uns vor unsrer Weiterreise Richtung Dogonland noch einmal.
Ich glaubte mich schon fast verloren, als ich frühmorgens mit Vorsprung losjoggte und mich nach 1 Stunde wunderte warum denn keiner/Heiner kommt - bis mir das Licht aufging, daß ich in die falsche Richtung laufe - so war ich abgelenkt von den vielen Cameleons und den vollgepackten Pickups mit vermummten Menschen, alle mit Maschinengewehr und wie wild trommelnd. Ein seltsames Bild!
Luft ablassen, Luft aufpumpen, Reifen freischippen, Sandbleche legen (alles bei 40 Grad Celsius), Adrenalin, ob wir die Düne jetzt packen, oder noch mehr Luft aus den Reifen lassen müssen ...
Es ist ein riskantes Spiel mit dem Gaspedal - Schwung nehmen soviel es geht um durch die nächste Tiefsandpassage zu schlittern, oder, wenn man Pech hat, in einem Loch zu landen.
Ein paar kleine Dörfer passierten wir, nackte, sandverkrustete Kinder rannten hinter uns her und betrachteten uns mit grossen Augen wenn wir ausstiegen. Schüchtern fassten sie unsere weisse Haut an und fingen fürchterlich an zu lachen.
In dem ersten grossen Dorf am Ufer des Tschadsees mussten wir uns dann melden und die Einreiseformalitäten erledigen. Dies alles im Sand und im Liegen - die Polizei nimmts hier eher gemütlich. Lalu blieb bei den Autos und im Nu waren alle Kinder des Dorfes versammelt. Was am Anfang noch lustig und Spiel war, wurde immer aggressiver, die Kinder versuchten egal was abzuschrauben, fingen an zu stauchen, beschimpften sie mit "I hate you, we don't want you", usw ...
Dies allerdings war das einzige Mal, in Ndjamena (Hauptstadt) und auch auf den nächsten 1000 Kilometer immer weiter Richtung Osten bis an die sudanesische Grenze begegneten wir ausschliesslich beeindruckenden Menschen und wenig korruptem Militär.
Eines Morgens stand eine Mutter mit ihrem kleinen Baby auf dem Rücken vor unserer Tür und wollte etwas für die bis zum Fleisch offenen Füsse des kleinen Babys haben. So säuberten wir erst einmal so gut es ging die Wunden und bastelten einen Verband mit Arnikatinktur und einem Fetzen aus Heiners Saron. Zum Dank brachte die Mutter uns einen Topf voll Schafsmilch, aus der wir Joghurt machten - eine Kostbarkeit bei dem sonst sehr spartanischen Angebot an Essbarem.
Nach langwierigen Einreiseformalitäten in den Sudan wurde es wieder richtig spannend - keine der Pisten ist auf den Karten zu finden. Zunächst ging es noch an und auf den Bahngleisen entlang. Doch nach 200 Kilometer bogen viele Pisten ab und von da ab fuhren wir tagelang mit dem Kompass auf Nordost quer durch die Pampa im Tiefsand, stets mit tiefen Spurrillen, die unser Getriebe aufsetzen liessen. Durchschnittsgeschwindigkeit 5-10 km/h, Dieselverbrauch 60 Liter auf 100 Kilometer, was ein riesiges Loch in unserer Reisekasse riss.
Eines Abends, es war kurz vor einem der vielen purpurroten Sonnenuntergänge, wurde unsere rauschende Fahrt durch einen umgefallenen LKW jäh gebremst, denn die komplette Ladung, darunter zwanzig 200-Liter-Dieselfässer kullerten durch den Sand. Die Besatzung samt dem Schaf waren unversehrt, das Schaf jedoch fiel dem Unfall später zum Opfer - es wurde geschlachtet und die ganze Nacht hindurch gegrillt und gegessen.
Zwischendurch versuchten wir mit unserer geheimnisvollen Feuerwehr den doppelt so grossen LKW aufzustellen, doch nicht einmal als alle Mann hoch an einem Strick vor der Feuerwehr zogen, rührte er sich nicht um 1 cm. Nun ja, dafür bekamen wir eines der 200-Liter-Fässer Diesel und pumpten es in unseren fast schon leeren Tank. Dann endlich, nach weiteren Tagen an denen uns kein einziger Kilometer geschenkt wurde, plötzlich Asphalt. Heiner verfiel mit 60 km/h in einen Geschwindigkeitsrausch und so sausten wir in freudiger Erwartung auf die 6-Millionen-Stadt und damit die Zivilisation in Khartoum ein.
Die folgenden 2 Tage und Nächte verbrachten wir an einer Tankstelle, zunächst um die Feuerwehr von den letzten 12.000 Kilometer Strapazen per Wasserstrahl zu befreien und mit neuem Fett zu belohnen und auch um uns die Sandkruste vom Kopf zu schrubben. Kaum war die Sonne untergegangen, verwandelte sich der Strassenrand in einen Picknickplatz mit den feinsten Speisen und Getränken. Die ausserordentliche Gastfreundschaft der Sudanesen erlaubte uns die Köstlichkeiten des Sudans kennenzulernen.
Hier in Khartoum fliessen der blaue und der weisse Nil zusammen, was der Dreistadt (drei geteilt jeweils durch einen Flussarm) einen ganz besonderen Charakter verleiht. Unser nächstes Ziel ist Äthiopien, wo der 6.500 Kilometer lange Nil seine Quelle hat und von wo wir Euch hoffentlich mit neuen Erlebnissen erheitern können.
Addis Abeba - man schreibt hier den 26.10.94, 1 Jahr hat 13 Monate, im September war Sylvester und Weihnachten ist übermorgen. Der Tag beginnt um 6.00 Uhr und nicht wie bei uns um 0.00 Uhr.
Seit 2 Wochen haben wir statt Tiefsand nun steile, holprige Bergpisten und bewegen uns in 3.000 Meter Höhe. Statt exorbitantem Dieselverbrauch haben wir nun extremen Reifenverschleiss an unserer Feuerwehr. Statt den freundlichen Sudanesen haben wir es nun mit aggressiven, steinewerfenden Äthiopiern zu tun, ausserdem mit vielen Bettlern und kreischenden Kindern.
Heilig Abend - schöne Bescherung - ein Stein traf unsere Heckscheibe. So verbrachten wir die Nacht an einer Dorftankstelle, umzingelt von gaffenden und bettelnden Menschen, wurden die nächsten Tage aber belohnt von einem wunderschön gelegenen See.
Sylvester in einem Bergdorf verschliefen wir wegen verwirrender Uhrzeiten, haben es uns dennoch gut gehen lassen mit schärfstem Gulasch auf saurem Schaumgummibrot und hatten Neujahrsbrunch mit einer sehr netten deutschen Familie.
Hier in Addis stehen wir auf dem Parkplatz des Hilton. Wir wurden von Hilton Khartoum zu Hilton Addis weitergereicht und geniessen alle Annehmlichkeiten, wie Thermalquellen und Sonderbehandlung kostenlos.
Krass die Gegensätze, nach den 3 Wochen, wo wir viel Armut und das harte Leben in den Bergen kennenlernten, hier nun Prunk, Luxus und Frank Elstner mit dem Team "Menschen für Menschen".
Vor den Hoteltüren strengste Sicherheitsvorkehrungen wie Infrarot und Bombensuchgeräte. Dagegen unweit die Slums. Menschen gegen Menschen. Wir auf der Gratwanderung der Gegensätze ...
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