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Tanz auf dem Äquator
Heute können wir Euch die freudige und stolze Mitteilung machen, dass wir erstens Afrika vom Atlantik zum indischen Ozean durchquert haben und zweitens den Äquator passiert haben und Euch nun von der Südhalbkugel der Erde schreiben und drittens nun fast nur noch Asphalt oder passable Pisten vor uns haben. So ruhen wir uns zur Zeit ein bisschen auf einer Farm in den Bergen aus, entsanden unsere Feuerwehr, reparieren Kleinigkeiten wie die eingeworfene Scheibe, kaputte Lampen und den Auspuff, lesen, spielen mit den Riesenschildkröten, schreiben e-Mails, füllen unsere Vorräte auf und tanzen auf dem Äquator, der nur 22 Kilometer entfernt ist.
Wie wir von Addis Ababa bis hierher kurz vor Nairobi kamen, wollen wir Euch nun berichten. Zunächst hatten wir noch ein paar schwimmreiche Tage an einem billharziosefreiem See, der seine pfützbraune Farbe dem alkalischen Wasser zu verdanken hat, bevor wir uns nach Südäthiopien mit seinen 80 verschiedenen Stämmen aufmachten. Kurz entschlossen wollten wir uns doch nicht die konvoipflichtige Strecke nach Kenia antun und bogen so ganz scharf nach Westen ab. Es folgten Tage in grandioser Berglandschaft mit Krokodilen, Straussen, Antilopen und Menschen, deren Äusseres uns in Staunen, Lachen und Ungläubigkeit versetzten. Es waren da nicht nur die berühmten Tellerlippenfrauen, sondern auch die Männer waren bunt bemalt mit allerlei Federschmuck auf dem Kopf und meist so gut wie nackt - ein Lendenschurz und ihre Waffe. Alle hatten sie viel und schönen Schmuck am ganzen Körper. Die Schmucknarben der Frauen waren nicht zu übersehen. Das war auch das Erste, was sie an mir suchten: Hemd hoch auf der Suche nach Narben.
Immer wieder mussten wir Flussbetten mit Wasser durchqueren, deren Tiefe uns immer wieder die Luft anhalten liess. Ungewöhnlicherweise hatte es erst sehr viel geregnet und kleinere Autos hatten keine Chance hier durchzukommen. Schliesslich landeten wir in Omorate, wirklich am Ende der Welt, und erfuhren, dass es keine Möglichkeit für uns gäbe, den Omo (Fluss) nach Kenia zu überqueren. So blieb uns nur eines: über die grüne Grenze. Doch dazu sollten wir erst ein Papier kaufen das uns diese Fahrt bewilligte - letztendlich eine gute Verdienstmöglichkeit für die Polizei dort am Ende der Welt. Die eine Hälfte des Tages handelten wir um den Preis, die andere warteten wir auf das Papier. Dann konnte es losgehen, ohne wirkliche Piste 40 Kilometer nach Süden bis ans Ufer des Turkanasees.
Doch schon nach 17 Kilometer, wir hatten uns gerade durch einen kleinen noch feuchten See mit zementartigem Untergrund gekämpft, als drei dieser Halbnackten mit Gewehr und Messer bewaffnet uns den Weg versperrten. Kein Geld konnte sie von ihrem Platz vor unserer Windschutzscheibe wegbewegen und uns blieb nichts anderes als wieder umzukehren. Eine zweite Nacht in Omorate und ein zweiter Versuch am nächsten Tag, doch hatten wir diesmal einen jungen Mann dabei, der demselben Stamm angehörte. Er verhandelte mit seinen Stammesgenossen und so kamen wir durch, passierten irgendwo und irgendwann den Grenzstein und waren in Kenia. Hier dann verschlug uns die lebensfeindliche Landschaft die Sprache: Steine, Steine, Steine ... ein glühendes Inferno, das aus flimmernden Lavabrocken besteht, eine Mondlandschaft, in die sich ein paar anspruchslose Gräser und zerzauste Akazien krallen.
Darin eingebettet liegt der See mit seinem türkisfarbenen Wasser, der von orkanartigen Winden mit Schaumkronen versehen wird. Vier Stämme leben hier miteinander mehr oder weniger in Frieden. Unsere Piste führte über Lavafelder, Flussbetten fast senkrecht empor und oft wär ich lieber zu Fuss weitergegangen, doch das rote Auto krabbelte mit einer Seelenruhe Fels um Fels empor. Immer wieder kam eine Tiefsandpassage dazwischen - wie erholsam ! Wir fuhren durch den Siliboi-Nationalpark und sahen versteinerte Wälder, Affen, Zebras, Giraffen und das aus nächster Nähe. Ein erhebendes Gefühl, das die Strapazen vergessen lässt. Nun haben wir es geschafft, die Reifen auch, wenn auch mit erheblichem Gummiverlust. Noch 8-10.000 Kilometer bis Suedafrika ...
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